Diskurs statt Gewalt / Bild: Simon H. / lespaul957 / unsplash
Es geschieht viel auf dieser Welt. Es werden Kriege geführt, um Einflusssphären auszudehnen, öffentliche Debatten finden nicht mehr statt. Streitende Parteien stehen sich unversöhnlich gegenüber, Argumente zählen nicht mehr, nur noch gegenseitiger Hass und Verachtung. Es wird gemordet, Opfer werden als Fanal für Ideologie missbraucht. Politisch motivierter Mord ist inakzeptabel und von Natur aus schlecht, wie jeder Mord, und das umso mehr, weil er sozial zerstörerisch ist. Ein Attentat ist ein Verbrechen und ohne wenn und aber zu verurteilen. Es gibt keinen Grund für Häme und klammheimliche Schadenfreude. Trotzdem adelt es nicht die Ansichten des Ermordeten. Diese müssen gerade dann kritisiert werden, wenn Rechtsextreme das Attentat nutzen, um für die Ansichten des Ermordeten zu werben. Wir erleben eine totale Vermischung von Perspektiven. So ist Verständigung ausgeschlossen, wird Spaltung ermöglicht und Demokratie zerstört.
Erstklassige Intelligenz besteht darin, gegensätzliche Ideen gleichzeitig im Kopf zu behalten und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, dürfen wir nicht vermischen. Genau das ist heute gefragt: Wir müssen erkennen, dass ein Mord wie der an Charlie Kirk zutiefst verabscheuungswürdig ist – und zugleich müssen wir uns davor hüten, das Opfer zu verklären. Nichts kann diesen Mord rechtfertigen oder entschuldigen. Aber ebenso wenig darf er instrumentalisiert werden, um aus einem rechtsaußen stehenden, rassistischen Provokateur eine Art Märtyrer zu machen oder ihn gar als „Mann der Mitte“ politisch hoffähig zu machen. Vor der Tat kannte ihn hier kaum jemand. Es gibt nichts Vorbildhaftes, keine politische Substanz, die uns eine inhaltliche Identifikation mit ihm nahelegen sollte.
Die klare Trennung ist entscheidend: Einerseits die unbedingte Verurteilung der Gewalt, andererseits die nüchterne Einordnung einer Person, deren Ansichten und Rolle in keiner Weise bewundernswert oder nachahmenswert sind. Nur wenn wir diese Spannung aushalten, verteidigen wir Freiheit und Demokratie – gegen Gewalt ebenso wie gegen ideologische Vereinnahmung. Politik setzt immer öfter auf Empörung, Angst und Diffamierung, nimmt damit „nötige Kollateralschäden“ als unvermeidbar hin. Diese sollten uns allerdings zum Nachdenken über ihre langfristigen Folgen geben. „Bedauerlich aber nötig“ war eine der Maximen, die Kirk verkörperte. Ich sehe das nicht so. Demokratie muss um Ausgleich ringen, auch wenn das als Einschränkung empfunden wird. Das wäre doch mal ein Lernziel: Ausgleich statt Eskalation, Diskurs statt Waffen. „Gewalt zerstört Diskurs, aber Reflexion kann ihn retten.“ Hannah Arendt.
Ich hätte es nicht besser formulieren können, Danke für Deine klaren Worte, lieber Martin!