25. Juli 2026
Bretonische Miniaturen III – Das Salzen der Lämmer
An der Somme beobachte ich eine riesige Schafherde, die bei ablaufendem Wasser zum Priel zieht und scheinbar Brackwasser trinkt. Zunächst wirkt das rätselhaft. Die Szene erinnert mich an Bernhard Grzimeks Serengeti-Filme – eigentlich fehlen nur noch die Krokodile. Erst später, beim Blick auf die Speisekarte mit dem allgegenwärtigen Salzwiesenlamm, fügt sich alles zusammen: Schäfer und Schafe kennen den Rhythmus der Gezeiten. Getrunken wird kurz vor Niedrigwasser, wenn der Salzgehalt niedrig genug ist. Die Schafe leben von Queller und den salzigen Pflanzen der Salzwiesen – sie “salzen” sich gewissermaßen selbst. Eine kleine Geschichte über Beobachtung, Kontext und die Weisheit einer Landschaft.
23. Juli 2026
Bretonische Miniaturen II – Zaubertrank in Aremorica
Eigentlich möchte ich auf dem Markt von Vannes nur einen Kaffee trinken. Stattdessen gerate ich zwischen einen rätselhaften Kaffeewagen mit alten Gewürzschubladen, eine dampfende Röstmaschine aus einem Jules-Verne-Roman und einen Mann, der seinen Kaffee über glühender Kohle röstet. Aus einem einfachen Kaffeewunsch wird eine Begegnung mit Menschen, die ihre Leidenschaft teilen – und aus einer Tasse Kaffee wird eine Geschichte.
19. Juli 2026
Bretonische Miniaturen – Welterbe auf dem Fussballplatz
Eigentlich wollte ich einen Blog über die Bretagne schreiben.
Das Vorhaben ist gescheitert. Zum Glück. Denn die Bretagne lässt sich nicht in einen einzigen Text packen. Sie besteht nicht aus Sehenswürdigkeiten, sondern aus Begegnungen. Aus Menschen, die ihre Arbeit mögen. Aus kleinen Geschichten, die sich weder planen noch erfinden lassen. Sie passieren einfach.
Ein Ringelpulli, der seinen eigenen Kopf hat. Ein Kassensystem, das von einer Verkäuferin mit Charme und Einfallsreichtum überlistet wird. Ein Kaffeeröster, der seine Bohnen erklärt wie andere einen großen Bordeaux. Ein Maler, dessen Bilder still darauf warten, entdeckt zu werden.Ein Dorf, das auf dem Fußballplatz tanzt, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt.
Mir ist klar geworden: Ich möchte keinen Reisebericht schreiben. Ich möchte kleine Geschichten erzählen. Jede für sich vollständig. Jede mit einem Augenzwinkern. Jede eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der Bretagne. Sie drängt sich nicht auf. Sie erzählt. Und wenn man Glück hat, hört man zu.Die erste Miniatur beginnt auf einem Fußballplatz. Kenavo!
19. Juni 2026
Revolutionsphantasien unter Landpomeranzen
Zunächst und von außen sah es nach einem einfachen Konflikt um einen Werkraum aus.
Von innen entpuppte es sich als Lehrstück über die Intelligenz funktionierender Gemeinschaften.
Eine Geschichte über Tüftler, Landpomeranzen, unterschiedliche Rollen – und darüber, warum manche Probleme gelöst werden, bevor die Revolution beginnt.