Betrogen – und doch kein Trottel?

Eine kurze Geschichte über Täuschung, Tempo, und die trügerische Nähe zum Amtsgericht

Man sollte meinen, ich sei nicht blöd.
Ich bin erfahren, aufmerksam, habe eine GmbH gegründet und sogar mein Stammkapital eingezahlt, ohne aus Versehen einen Toaster zu kaufen. Kurz: Ich bin durchaus lebensfähig.

Doch dann kam Freitag. Und mit ihm eine Rechnung.

Sie sah aus wie erwartet:
Amtsgericht Osnabrück, Registereintragung, 1.905 €.
Sauber gegliedert, SEPA-Überweisung, keine Faxen, kein Glitzerpapier.

Ich war erfreut.

Endlich geht’s voran! Konto frei, GmbH startklar, alles in trockenen Tüchern.

Zack – Überweisung getätigt. Wochenende kann kommen.

Sonntagabend rief meine Notarin an.
Sie hatte die Rechnung gesehen, die ich ihr gutgläubig geschickt hatte.
Und sagte nur drei Worte, die in mir bis heute nachhallen:

„Martin, das ist Betrug.“


Wie kann das sein?

Ganz einfach:
Betrüger sind schnell. Schneller als das Amtsgericht.
Sie durchforsten öffentliche Bekanntmachungen (z. B. Bundesanzeiger), erkennen:
„Da wurde gerade eine GmbH gegründet“ – und schicken eine Rechnung, bevor die echte kommt.

Layout: perfekt. Papier: behördengrau, leichtgewichtig
Sprache: nüchtern. IBAN: falsch, jedenfalls gehört sie nicht dem vermeintlichen Absender sondern einem Betrüger.
Absender: erfunden, aber verdammt plausibel.

Und ich? Ich war bereit. Bereit zu zahlen.


Anzeige erstattet, Geld wahrscheinlich weg

Ich habe sofort reagiert:

  • Die Bank informiert (sie war wenig hilfreich).

  • Die Polizei eingeschaltet.

  • BaFin benachrichtigt.

  • Verbraucherzentrale informiert.

Und während ich also versuche, meinem Geld beim Wegschmelzen zuzusehen wie einem Eiswürfel in der Sahara, bleibt die wichtigste Frage:

Wer ist der Trottel? Ich?

Oder bin ich einfach jemand, der handeln wollte, der seinem System vertraute, der schnell und ordentlich sein wollte?


Was ich gelernt habe (und was du davon haben kannst):

  1. Rechnungen vom Amtsgericht kommen spät, aber sicher.
    Die Fake-Versionen kommen früh – und betrügerisch.

  2. IBAN ≠ Amtsgericht.
    Kontonummern werden von den Banken bei der Überweisung nicht mit dem Empfänger abgeglichen. Prüfen, googeln, anrufen.

  3. Vertrauen ist gut – misstrauen ist inzwischen leider Pflicht.

  4. Die Täter wissen, dass du erwartest, zu zahlen.
    Und genau diese Erwartung nutzen sie.
    Nicht deine Dummheit. Deine Ordnungsliebe oder den Drang, bürokratische Prozesse zu beschleunigen.


Deshalb schreibe ich das hier

Nicht, weil ich mich bemitleiden will.
Nicht, weil ich besonders heldenhaft wäre.

Sondern weil du, liebe:r Leser:in,
vielleicht gerade selbst gründest.
Oder bald eine solche Rechnung bekommst.
Oder jemanden kennst, der in der Gründungsphase steckt.

Dann tu mir einen Gefallen:
Teil diesen Text.
Oder gib den Hinweis weiter.

Und wenn dir jemand sagt, er ist auf eine Fake-Rechnung hereingefallen – dann sag nicht: „Hättest du aber merken müssen!“

Sondern: „Gut, dass du’s jetzt weißt. Und dass du’s weitersagst.“

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