Existenz bitte nachweisen – maximal 10 MB

Neulich musste ich beweisen, dass es mich gibt.
Nicht meiner Frau. Nicht meinen Kindern. Nicht einmal der Bank.
Sondern einem behördlichen Formular, einem Registeramt.

Das Formular war höflich. Es lächelte nicht, aber es war korrekt.
Es sagte nur: „Bitte laden Sie Ihre Existenz hoch.“

Die wollten ein amtliches Dokument, dass es mich wirklich gibt. Dass dieses Dokument bereits bei einer Handvoll weiterer Ämter vorliegt, interessiert hier nicht. Das ist eine andere Geschichte.

Ich lud also meine Existenz hoch.
18 MB. Ein ordentliches Leben bringt Gewicht mit.

Die Antwort kam prompt: „Upload fehlgeschlagen.“

Warum?
Das erfährt man selbstverständlich erst, nachdem man gescheitert ist.

Maximal 10 MB.

Das ist beruhigend.
Denn so weiß man wenigstens, wo die Grenze zwischen Sein und Nichtsein verläuft.

Also habe ich mich komprimiert.

Unterschriftenseite raus.
Lebenskrisen raus.
Jugendsünden raus.
Charaktereigenschaften sowieso.

Am Ende passte ich rein.
60 %.
Ordentlich komprimiert.

Zwischendurch musste ich noch bestätigen,
dass ich nüchtern bin und nicht unter dem Einfluss berauschender Substanzen handele.
Ich stelle mir vor, wie ein Beamter denkt:

„Der Mann behauptet, er existiert. Klingt verdächtig.“

Besonders schön fand ich die Stelle: „Art Ihres wirtschaftlichen Interesses?“ Erklären Sie sich!

Ich überlegte kurz:
Neugier?
Gestaltungsdrang?
Überlistungsfreude?

Aber nein: Kapitalanteil.

Es beruhigt mich zu wissen,
dass meine Existenz nun offiziell hinterlegt ist.
Bis auf Weiteres.

Sollte ich demnächst nicht mehr existieren,
werde ich das selbstverständlich schriftlich mitteilen.
Als PDF.
Maximal 10 MB.

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