„Martin, fahr den Trekker vor.“ Neues von der Landpomeranze.

Foto: Michael Macron @unsplash

Ich habe keinen Trekker. Noch nicht.
Aber ich kenne Menschen, die einen haben. Und das ist auf dem Land ungefähr so, wie wenn man in der Stadt jemanden kennt, der einen Transporter fährt und am Wochenende Zeit hat. Man ist nicht reich – aber man ist versorgt.

Der Trekker – oder: die heilige Maschine des Ländlichen.
Er ist überall. Und er kann alles.
Im Winter bahnt er den Weg durch verwehte Zufahrten – zuverlässig, brummend, majestätisch langsam.
Und für kindliches Schneevergnügen ist nichts schöner, als sich im Schlitten hinter dem Trekker durch knirschende Feldwege ziehen zu lassen. Eine Mischung aus Abenteuer, Achterbahn und Arktisexpedition.
Hier gibt es keine Hügel, keinen Deich, nichts zum Runterrodeln – aber der Trekker macht aus der plattesten Landschaft ein Winterwunderland.

Im Sommer sieht’s anders aus.
Da zieht er Brennholz aus dem Wald. Mäht Wegränder. Bringt Ballen in die Scheune.
Er schwitzt nicht – er arbeitet. Ohne Jammern, ohne Klimaanlage. Nur mit einer leichten Dieselwolke, die hier als Geruch der Verlässlichkeit gilt. Ich gebe es zu, das ist ein wenig wehmütig nostalgisch. Die modernen Monstergeräte der Großgrundbesitzer in der Ebene sind vollklimatisiert und einfach nur gigantisch. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ich war gestern auf dem Weg zu einem Termin. Noch vor der ersten Tasse Kaffee kam die Nachricht:
„Kannst vorfahren, Martin. Der Nachbar hat mit dem Trekker die Einfahrt geräumt.“
Da wusste ich: Ich bin angekommen. Nicht nur pünktlich zum Termin auf dem Lande – auch im ländlichen Leben.

Der Trekker ist kein Statussymbol im klassischen Sinn.
Er ist notwendige Pracht.
Er steht nicht für Besitz – er steht für Verbindung: zu Nachbarn, zu Wetterlagen, zu Jahreszeiten, zu all dem, was ohne ihn liegenbliebe. Oder steckenbliebe. Oder erfrieren würde.

Natürlich, der Trekker ist auch ein Politikum. Sein Diesel wird steuerlich begünstigt. Seine Rolle als Subventionsmagnet der Agrarlogik ist unbestritten.
Er darf, was andere nicht dürfen.
Er kann, was andere nicht können.
Er ist die letzte Bastion echter Maschinenwürde in einer Welt voller Touchscreens.

Ich gebe es zu: Ich träume vom Trekker.
Nicht um damit zum Bioladen zu fahren – obwohl das natürlich möglich wäre.
Nicht um durch die Schneemassen zu gleiten – obwohl das ungemein majestätisch wäre.
Sondern, um einfach dazuzugehören.
Um morgens aufzustehen, rauszuschauen, die Wetterlage zu prüfen – und dann ganz ruhig zu sagen:
„Ich fahr dann mal den Trekker vor.“

In der Stadt ist es der Oldtimer Porsche. Hier zählt ein Trekker mit Stammbaum. Es gibt sogar Trekkerwitze: Sagt ein SUV: „Ich könnte jederzeit ins Gelände“. Antwortet der Trekker: „Ich war da schon – und hab es umgepflügt.“

Ich bin (noch?) trekkerlos, ich muss es gestehen. .
Immerhin, ich bin umgeben von seiner Präsenz. Ich sehe seine Spuren auf den Feldwegen. Ich höre sein Brummen hinter den Hecken. Ich winke ihm ehrfürchtig zu, wenn er im Rückspiegel auftaucht oder er vor mit hertuckert.
Wenn ich ehrlich bin: Ich beneide ihn ein wenig.

 

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Johannes Janzen
Johannes Janzen
7 Stunden zuvor

Hallo Martin ..Du hast mich mit deinem noch nicht erfüllten Wunsch,in meine frühere Zeit erinnert. Danke dir dafür.

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