konstruktiver Irritierer

Beratung ohne Grenzen

Berater unter sich neigen zu gegenseitig verachtendem Abgrenzungsgebahren. Passt das noch in eine Welt, in der Grenzen an Bedeutung verlieren und fluide Emergenz sich neben fester Struktur emanzipiert hat? Berater sollten eigene Glaubenssätze relativieren und persiflieren können. Die in jedem Beratungsauftrag bittend oder fordernd vorgetragene Frage „Sagen Sie mir, was genau ich tun soll“ verbunden mit der Erwartung eines stets gelingenden Fertigkuchenrezeptes, sorgenfrei und zukunftssicher ohne Risiken und Nebenwirkungen ist der Einstieg in eine Dialogform, die nicht auf Augenhöhe stattfindet, Ressourcen des Kunden klein und unwirksam werden lässt sowie Gefahr läuft, sich nur einem kleinen Ausschnitt des Arbeitsspektrums zuzuwenden. Das mag gut sein für die beratende Zunft, die so Abhängigkeiten und Folgemandate erzeugt. Nachhaltige Lösungen werden so jedenfalls nicht geschaffen.
Ich plädiere hier für mehr Grenzüberschreitung in beratenden Berufen.

Pandemie der Dummheit

Etwas dumm zu nennen halte ich keineswegs für beleidigend. Es ist eine sachliche Beschreibung wie „groß“ oder „klein“, nur dumm ist einfach das Gegenteil von klug, die Abwesenheit von „klug sein“. Klugheit bringt Dinge in einen Zusammenhang, löst Gegensätze auf, verknüpft Informationen widerspruchsfrei, betrachtet Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven und ist dazu bereit und in der Lage, persönliche Meinungen zu modifizieren oder zu ändern, sie kann Gefühle von Argumenten unterscheiden und eigene Grenzen akzeptieren. Damit lege ich absichtsvoll die Latte als Maßstab hoch an. Das geht nicht alles und immer gleichzeitig. Wenn aber nichts von alledem geschieht, dann ist das dumm!

Wenn es ernst wird, brauchst Du Humor!

Auf unbekanntem Terrain führen nur Gefühle zu neuen Erkenntnissen, Talente oder Könner zeichnen sich dadurch aus, dass sie „problemlösende Gefühle“ entwickeln. Die sind für andere erkennbar, weil könnende Talente sich seltener irren als andere. Man selbst kann sie bei sich erkennen, wenn eben diese Gefühle so stark sind, dass man bereit ist, einen Irrtum zu riskieren, den Mut zu einer riskanten Entscheidung aufzubringen. Denn im Falle eines Scheitern gibt es wieder nur zwei Optionen: Rückzug, sowas mach ich nie wieder! Oder: Shit happens, auf zum nächsten Mal, Attacke!

Nachdenkzettel

Es gibt viel zu tun hier in Deutschland. Wir versuchen gegenwärtig mit Strukturen und Arbeitsmitteln der Vergangenheit eine Pandemie zu bekämpfen. Das gelingt offensichtlich nur unzulänglich und mit Opfern, von denen viele vermeidbar gewesen wären. Unabhängig von allen Pandemiesorgen: Mit diesen Strukturen sind wir weit unter Weltniveau und nicht zukunftsfähig. Nur eine kleine Anekdote, ich bin jedoch sicher nur die Spitze des Eisbergs. Wie sagte noch Heinrich Heine? „Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.“

Mittelmaß? Nein danke!

Entweder bist Du Spitzenklasse in dem, was Du tust. Oder Du wirst schnell zur Commodity, weil die Originalität Deines Beitrags zum Gelingen dieser Welt nicht ins Gewicht fällt oder epigonenhaft (nachahmend) bleibt. Das Paradox der Wertepolarisierung: in unserer verbundenen Welt wird die die Kluft zwischen den Habenden und den Nicht-Habenden größer, beim Vermögen und beim geistigen Eigentum. Diese Botschaft erschreckt doch erstmal, oder? Worin bin ich denn Spitze? Champions-League? Wer sind eigentlich meine Epigonen und wo kann ich sie finden? Im schlimmsten Fall gibt es keine, bin ich dann Commodity? Mittelmäßigkeit ist jedoch kein Schicksal. Allerdings braucht es ein neues Verständnis, neue Tugenden und Fähigkeiten. Was tun kann ein jeder schon. Weiterlesen wäre ein Anfang …..

Über Schafe und Wölfe

Einstein soll gesagt haben, dass man als tadelloses Mitglied einer Schafherde vor allem ein Schaf sein müsse.  Einstein selbst gilt als jemand, der jeden noch so abstrusen Gedanken zugelassen und verfolgt hat. Genies sind Denkanarchisten., sie versuchen sich von indoktrinierten Denk- und Verhaltensmustern zu befreien. Deswegen hab ich ihn schon als Jugendlicher geschätzt, hab mir selbst in meinem Leben immer mal wieder eine „blutige Nase“ geholt. Hat sich aber gelohnt, kann ich nur zur Nachahmung empfehlen. Was einen nicht umbringt, das macht stärker. Ist der unbequemere Weg, aber der bessere. Für einen selber, für das Team und unsere Gesellschaft erst recht. Scheitern ist der bessere und wirkungsvollerer Lehrmeiste als der stetige Erfolg.  

Ist BANI das neue VUCA oder was?

Viele Autoren meinen, BANI beschreibe den Zustand der Welt besser als VUCA, es sei an der Zeit neu nachzudenken, neu zu verstehen. Ich will mich auf diese Diskussion gar nicht einlassen, sie ist letztlich Haarspalterei. Ob nun nicht Sprödheit und Anfälligkeit für Bruchstellen Folge großer Schwankungen ist, Unsicherheit immer Ängste auslöst, Non-Linearität nicht eines der Merkmale komplexer Systeme ist und Mehrdeutigkeiten nun mal für unser nach Erklärungen lechzendes Gehirn schwere Kost sind, das alles lassen wir mal dahingestellt. Das macht es weder besser noch schlechter. Mich beschleicht bei aller Sinnhaftigkeit des „immer mal wieder Nachdenkens“ bloß der Verdacht, dass da mal wieder eine neues Sau durchs Dorf getrieben wird mit wenig substanziell Neuem.

Galoppierender Zorn

Ich bin zornig auf uns alle! Vor allem auf unheilige Allianzen von Dummheit, Unfähigkeit und Unwissen. Dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen Dingen, die wir demütig wirklich (noch) nicht wissen und Irrtümern, zwischen Gefühlen und Argumenten, zwischen Angst und der fahrlässigen Verbreitung von Falschinformationen, aus dem Zusammenhang gerissener Zitate, der Stimmungsmache durch aufbauschend verbreitete Informationsschnipsel. Ein jedes mag seinen Platz haben, aber auch seine Grenzen.

Wir haben es vergeigt!

Ganz ehrlich, ich bin fassungslos. Nein, nicht wegen des Scheiterns. So schlimm das ist, insbesondere für unmittelbar Betroffene. Scheitern gehört in komplexen Umfeldern zur Normalität. Damit müssen wir rechnen, es lässt sich nicht vermeiden. Ich habe in diesem Blog viel darüber geschrieben. Was mich wirklich aufregt ist, wie wir gescheitert sind. Wir sind nicht nur gescheitert, wir haben es richtig vergeigt. Wir kriegen im Moment täglich vor Augen geführt, wie wenig wir wirklich über die Pandemie-Situation wissen. Bekanntes wird von Unwissenden zu Tode debattiert, die wirklich wichtigen Fragen gehen unter, sie werden aus Angst vor medialen oder tätlichen Angriffen verschwiegen oder auf dem Altar des Populismus geopfert. Ich muss hier mal Dampf ablassen.

Kommt ganz drauf an!

Wieso dürfen Große Dinge tun, die Kleinen verboten sind? Warum eigentlich durfte der kleine Martin an manchen Tagen eine ganze Tafel Schokolade essen, die an anderen Tagen auf ein paar Stücke rationiert war? Warum war es ok, auf dem Bolzplatz derbe Sprache rauszuhauen, die zu Hause oder in der Schule besser nicht Eltern oder Lehrern zu Ohren kommt? Im Zeltlager durften die Fingernägel beim Essen rustikaler aussehen als am Sonntagsmittagstisch zu Hause und als 16jähriger durfte ich ohne Standpauke später nach Hause kommen denn als 11jähriger. Ganz zu schweigen von den belauschten Witzen, die in Erwachsenenrunden kursierten. Unsereins hätte für die Verbreitung solcher Geschichten seinerzeit einen Satz heiße Ohren bekommen. Wenn die das dürfen? Wieso nicht ich? Kommt eben ganz drauf an! Dieser Satz überstimmt sogar die hoch hängende Moral von der Gerechtigkeit. Muss also was Bedeutsames sein!