Über Schafe und Wölfe

Egal ob in Schule, Universität oder Beruf: jemanden zum braven Mitglied einer Schafherde zu machen ist viel einfacher als die Alternative dazu. Auswendiglernen, unterwürfig anbiederndes Verhalten, Führung durch Angst gehören zu den einfachsten Verhaltensmustern, um eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Später im Leben braucht man mehr, doch im Zweifel fällt man auf das zurück, was man ursprünglich gelernt hat: Schaf zu sein. Gut ausgebildet, aber folgsam.

Klingt paradox, ist aber wohl so: Heutzutage hängen wir hochgradig von neuen und guten Ideen ab, erleben andauernd Veränderungen unserer komplexen Welt. Trotzdem plagt einen die sorgenvolle Furcht, von immer mehr Schafen umgeben zu sein. Selbst so mancher Virtuose „künstlicher Intelligenz“ vermag nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Wer stellt schon Störer ein oder hat sie mit Lust und Freude in seinem Team? Die nerven nämlich gelegentlich, haben ihren eigenen Willen, sie klettern ungefragt über Zäune und Grenzen. Wer findet es schon gut, wenn Regeln zum Testgelände ihrer eigenen Nachhaltigkeit mutieren? Wie oft muss ich hier in meiner Lebens-Region erleben, wie Menschen bevorzugt einen Arbeitsplatz bei einem großen traditionellen Arbeitgeber anstreben, weil dieser allen aktuellen Turbulenzen zum Trotz immer noch als Hort der Sicherheit, Versorgung und Berechenbarkeit gilt?

Albert Einstein soll gesagt haben, dass man als tadelloses Mitglied einer Schafherde vor allem ein Schaf sein müsse. Einstein selbst gilt als jemand, der jeden noch so abstrusen Gedanken zugelassen und verfolgt hat. Genies und andere außergewöhnliche Menschen sind Denkanarchisten, sie versuchen sich von indoktrinierten Denk- und Verhaltensmustern zu befreien. Deswegen hab ich ihn schon als Jugendlicher geschätzt, hab mir selbst in meinem Leben immer mal wieder eine „blutige Nase“ geholt. Hat sich aber gelohnt, kann ich nur zur Nachahmung empfehlen. Was einen nicht umbringt, das macht stärker. Ist der unbequemere Weg, aber der bessere. Für einen selber, für das Team und unsere Gesellschaft erst recht. Auch wenn immer mal wieder was schiefgeht. Scheitern ist der bessere und wirkungsvollere Lehrmeister als der stetige Erfolg.

Das Leben ist eine Achterbahn, aber du lebst und bleibst wach. Und es ist nützlich, sich zu vernetzten, Wölfe müssen nicht einsam bleiben. Und man muss kein schlechtes Gewissen haben, auch mal an sich selbst zu denken. Das hat natürlich hin und wieder subversive Elemente, es geht nicht immer nur geradeaus nach oben, für das Große und Ganze ist es ganz sicher das Beste. Auch für einen selbst.

 

 

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