Merksätze für eine gute Suppe, Projekte, ein Unternehmen, eine Revolution und das Leben

 

Wenn Porträt-Bilder Lebenswege beschreiben könnten ….. Meine Eltern, Großeltern und andere Mischpoke.

Statt eines Vorwortes

Gute Merksätze sind Merksätze des gesunden Menschenverstandes. Leider können die Ur- und Co-Autoren meiner inhalierten Merksätze diese Zeilen nicht mehr lesen. Trotzdem: Warum soll ich mich nicht auch an dieser Stelle bei meinen Influencern (so darf ich sie anerkennend nennen) bedanken. Vielleicht liest man ja auch im Himmel meinen Blog, wer weiß? Küchentischgespräche, Spaziergänge, Geschichten, Debatten um den Wohnzimmertisch, vertrautes Couchcoaching, Trostpflaster und der Schubs vom Sprungbrett sind wirksam lebensnäher als Führungsseminare. Als Betreiber einer Akademie, eines Bauhaus für kreative Unternehmensgestalter, muss ich aus dem Nähkästchen plaudernd  gestehen, dass mein Geschäftsmodell sich über die Jahre spürbar geändert hat. Weg von komplizierten Modellen & Methoden hin zu Optionen und Reflektionen. Sicht- und Paradigmenwechsel statt krampfhafter Optimierungsversuche seiner selbst oder schlimmer noch anderer. Merksätze nehmen dabei einen wichtigen Raum ein, Geschichten, Humor, Aphorismen, Narren, Künstler und Poeten. Die wichtigsten Urheber meiner Gedankenbrücken sind auf der Collage oben zu sehen, meine Eltern und Großeltern. Sie alle haben mir auf ihre Art vieles mitgegeben, lachend und mit großem Ernst, festhaltend und loslassend. Dafür danke ich ihnen. Ich wünsche mir, selbst für andere eine solche Lebensrolle auszufüllen, beruflich und privat.

Wenn ich mir das Ergebnis meiner Gedanken heute anschaue bin ich manchmal desillusioniert. Wie kann es sein, dass vieles von dem, was heute Gedanken prägt und erfolgreich macht, gar nicht wirklich neu ist? Wie konnte ich manches für banal gehaltene so lange übersehen? Ich habe wohl oft den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, doch nun, HEUREKA!, besser spät als nie. Vielleicht brauchen manche Dinge einfach Zeit und können mit mit jugendlich übermütigem Fingerschnipsen noch nicht gelingen. Bedeutsame Merksätze brauchen Jahre, um ihre Bedeutsamkeit zu erspüren, danach Jahrzehnte, bis man sie wirklich verstanden hat. Verstehen reicht nicht, es ist notwendige aber nicht hinreichende Bedingung. Man muss sie lebensnah statt besserwisserisch weitergeben können, sonst bleiben sie wirkungslos. Wenn man es soweit glaubt geschafft zu haben, ist das Aufschreiben im Blog eine Kleinigkeit. Freunde raten mir zu einem Buch, ich schreibe lieber hier und mache eine Fortsetzungsgeschichte draus. Dies hier ist der editoriale Anfang.

Willkommen also zum Auftakt meiner neuen Kategorie „Merksätze“ auf diesem Blog. Merksätze, wie eine gute Suppe, Projekte, ein Unternehmen eine Revolution und das Leben gelingen. Das Potpourri von Suppe über Revolution bis Leben zeigt die universelle Bedeutung dieser Merksätze. Es gibt nicht beliebig viele, nur wenige. Diese haben aber universellen Charakter, sie sind unabhängig von Raum und Zeit. Und wo sie ausnahmsweise nicht passen sollten, lohnt sich die Mühe, mal kurz mal eben über sie nachzudenken. Gute Merksätze entfalten immer Wirkung, auch im unpassenden Moment. Das macht sie bedeutsam.

Niemand würde in meinen Eltern oder Großeltern Revolutionsratgeber sehen. Trotzdem war ich einst glühender Weltverbesserer mit revolutionären Attitüden. So mancher Merksatz hat mir seinerzeit schon zu denken gegeben und zum Gelingen mancher revolutionärer Vorhaben beigetragen. Aber eben auch in der Küche beim Zubereiten einer guten Suppe. Die Botschaft heißt: Gute Merksätze sind was für das Leben, ganz unabhängig, was Du gerade tust.

Genug geredet, fangen wir also an. Immer mal wieder, wenn mir danach ist. Beginnen wir hier mit dem ersten, wobei es keine Reihenfolge gibt. Wichtig sind alle und der erste ist es nur, weil der Zufall es so will.

Seit der Aufklärung prägt die Vernunft unsere Welt. Die Welt ist Markt, alles Tun ist Management. Es gibt nur noch Kunden, Produkte, Stakeholder, Mitbewerber. Es dominieren wissenschaftliche, empirische, logische, deduktive, quantitative Strategien. Diese sind jedoch völlig ungeeignet, unsere Innenwelt zu erforschen. Hast du schon mal einen Wert beobachtet, ein Gefühl gesehen? Ich denke bei diesem Gedanken an den Witz über den Mann, der nachts unter einer Straßenlaterne verzweifelt seinen Schlüssel sucht, obwohl er weiß, dass er ihn an anderer Stelle im Dunklen verloren hat. Er sucht im Lichtschein der Laterne, weil es dort hell ist. Alles Wissen und alle Logik, alle klugen Leitfäden für gute Gespräche und Ratgeber haben es nicht geschafft, Kriege zu verhindern, Frieden zu stiften, besser zu verstehen, lebens- und liebesfähiger zu werden, die Lebensfreude zu steigern oder weise zu werden.

Der Merksatz ist nicht neu und weder von mir noch von meiner Mischpoke erfunden. Aber prägend und nützlich:

Wie sagt doch der Fuchs zum Kleinen Prinzen? „Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Ja, mit dem Herzen sehen ist immer hilfreich. Wege der Weisheit sind verschlungene Pfade, keine beschilderten Autobahnen, sie sind oft verborgen doch ebenso häufig liegen sie unbeachtet vor uns. Manchmal meinen wir, „das kann ich doch nicht machen“. Doch das Mysterium und der Nonsens sehen auf den ersten Blick gleich aus, sagte einst René Magritte. Recht hat er!

 

 

 

 

 

 

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Kristin
Kristin
1 Monat zuvor

Danke, lieber Martin! Du fasst in Worte, was ich denke und vor allem fühle.

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[…] Die Rubrik „Merksätze“ habe ich begonnen, um einfache Dinge des Lebens auf den Punkt zu bringen. Denn für eine gute Suppe, Projekte, ein Unternehmen eine Revolution und das Leben braucht es Merksätze, die jeder, wirklich jeder versteht. Für den Start dieser Rubrik siehe hier. […]

Julian
Julian
10 Tage zuvor

Servus Martin und vielen Dank für den wundervollen editorialen Anfang! Hab neulich in einem Kommentar bewusst den Satz: „Was würde Oma sagen“ in Zusammenhang mit der ach so besungenen Komplexität unserer (Projekt-) Welt geäußert. Wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass manchmal die Besinngung auf das Einfache und Naheliegenste gut tut und hilfreich ist (so wie Oma halt gerne mal Spucke statt einem Pflasters oder sterilen Wundverbandes auf das offene Knie gemacht hat, verbunden mit dem Spruch: „Das vergeht ehe du heiratest!“). Stieß bei einigen Nutzern des Forums eher nicht auf Wohlwollen, da damit die Komplexität unter den Scheffel gestellt… Weiterlesen »

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