Irritation oder „Sturz ins eigene Heldenbild“

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Quelle: „Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der Kunst“; aus einer Ausstellung des „Bucerius Kunst Forum“ in Hamburg

Wir setzen unbewusst Lösungsschemata ein, mit denen wir in scheinbar ähnlichen Situationen erfolgreich waren. Erst wenn sie nicht mehr funktionieren, werden wir uns ihrer bewusst. Édouard Cloparède, ein Entwicklungspsychologe, nannte diese Beobachtung bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts das „Gesetz der Bewusstwerdung“: Wo es keine Schwierigkeiten gibt, gibt es kein Bewusstsein. Der Autopilot hat das Ruder und uns im Griff.

Organisationen sind nicht darauf ausgerichtet, Entscheidungen im Diskurs zu erreichen. Es wird beschlossen, wie die Zukunft sein soll und alle tun so, als wäre die Zukunft genau so. Spontan organisierter Widerstand oder Widerspruch ist in einer Organisation nicht zu erwarten. Bundespräsidenten halten schon mal „Ruckreden“, an die man sich dann einige Jahre später vielleicht erinnert. Aber sonst? Man glaubt selber an die beschlossene Zukunft, Bestätigung rundherum.

Irritationen oder Störungen sind Unterbrechungen der Selbstverständlichkeit. Wir brauchen sie, wollen wir nicht in unser eigenes Heldenbild hineinstürzen. Denn dann ist es möglicherweise zu spät oder der Schaden groß.

Die Verantwortung von Führung besteht nicht vordringlich in der Beschaffung von Mehrheiten, sondern in der Organisation von Irritation und Widerspruch. Den bekommen wir nicht spontan, den müssen wir selbst organisieren bzw. die Bedingungen dafür schaffen, dass er sich entfalten kann.

Diese Thesen von Prof. Fritz. B Simon freuen den „Konstruktiven Irritierer“. Aus der Seele gesprochen.

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