Politik im Mathematik-Kostüm

Im politischen Leben taucht eine Denkfigur immer häufiger auf: die Behauptung, politische Entscheidungen seien mathematische Notwendigkeiten. Am Beispiel von Demografie und Sparpolitik zeige ich, dass Zahlen, Statistiken und Modelle zwar Zusammenhänge beschreiben können, aber keine Antwort auf die Frage liefern, wie wir künftig leben wollen. Gesellschaften entstehen nicht aus Gleichungen, sondern aus Vorstellungen. Ein Plädoyer für mehr politische Vorstellungskraft und weniger Sachzwangsrhetorik.

Das Universum ist nicht geistlos

Physik galt für mich lange als eine Mischung aus Formeln, Fremdwörtern und schulischen Traumata. Dann kam Gerd Ganteför. Und plötzlich denke ich über Quantenphysik, Entropie, Information und die Möglichkeit nach, dass das Universum vielleicht intelligenter und fremder ist, als unsere Weltbilder erlauben. Dieser Text ist keine Buchrezension. Eher ein staunender Spaziergang eines Nichtphysikers durch die großen Fragen nach Wirklichkeit, Bewusstsein, Zweifel und den Grenzen menschlicher Erkenntnis. Zwischen Gott mit Rauschebart und kosmischer Dampfmaschine eröffnet sich ein faszinierender Denkraum — philosophisch, humorvoll und manchmal existenziell verunsichernd.
Oder kurz gesagt:
Ein Physiker bringt einen Organisationsberater dazu, freiwillig über Quantenphysik nachzudenken. Das allein ist schon bemerkenswert.

Wenn Haltung verschwindet und genau dadurch wirkt

Medien stehen unter Druck: Aufmerksamkeit schlägt Einordnung, Zuspitzung schlägt Differenz. Soweit bekannt. Weniger sichtbar sind neue Formate, die auf Einordnung ganz verzichten. Daraus genau ziehen sie ihre Wirkung. Sie geben Raum, stellen Fragen, wirken neutral, sie sind es aber nicht. Denn auch ohne Widerspruch wird ausgewählt, gerahmt und verstärkt.
So entsteht eine neue Form von Einfluss: Haltung, tarnt sich als Abwesenheit von Haltung. Die Folge: Nicht allein Medien, wir selbst tragen immer mehr Verantwortung für den Diskurs. Demokratie lebt davon, dass wir miteinander sprechen, nicht nur beobachten.

Der freie Platz

Ein Blick in einen Zug in Lissabon: Menschen unterschiedlichster Herkunft sitzen selbstverständlich nebeneinander. Kein Zögern, kein Einordnen – einfach Alltag.
Warum fühlt sich dieses Nebeneinander so entspannt an? Und was sagt das über unseren eigenen Umgang mit Vielfalt?
Eine leise Beobachtung über Nähe, Gewohnheit – und den freien Platz neben uns.

Existenz bitte nachweisen – maximal 10 MB

Ich musste neulich beweisen, dass es mich gibt. Nicht philosophisch, sondern per Upload. Mein Leben: 18 MB. Erlaubt: 10 MB.
Eine kleine Satire über digitale Existenz, analoge Bürokratie und die Frage, wie viel Mensch in eine Datei passt.

„Alois, sag was!“ – Ein Zwischenruf zur Rückkehr ökonomischer Vernunft

Was haben Matratzen, Generationengerechtigkeit und ein vergessenes Schlagercover gemeinsam? Hier werden die gängigen Mythen über Staatsverschuldung auseinandergenommen – mit Humor, ökonomischem Tiefgang und einem beherzten Gruß an meinen alten VWL-Professor Alois. Was als Science Slam begann, wird zur Einladung, Wirtschaft neu zu denken: Nicht als Sparkassen-Broschüre, sondern als Werkzeug für Zukunftsgestaltung. Schulden sind keine Sünde – Stillstand schon.

„Martin, fahr den Trekker vor.“ Neues von der Landpomeranze.

Er brummt, er zieht, er rettet den Alltag: Der Trekker ist das heimliche Rückgrat des Landlebens. In dieser neuen Folge der Landpomeranzengeschichten geht es um Schneemassen, Schlittengaudi, Sommertransporte – und um die stille Sehnsucht nach einem Gefährt, das mehr kann als hupen. Eine kleine Hommage an den Diesel unter den Dorfhelden.

Gehen. Trotz allem.

Ein Besuch der Giacometti-Ausstellung in Bremen wird zum Resonanzraum: Nicht die Werke allein berühren, sondern das, was zwischen ihnen und mir entsteht. Der Künstler als Seismograf des Daseins, die Natur als Ursprung und Maßstab – und der Mensch: gehend, trotz allem.
Ein Text über Figuren, Herkunft, Reduktion – und die Frage, was es heute heißt, aufrecht zu gehen.

Der Nachtzug aus Lissabon fällt aus.

Eine poetisch geplante Rückreise von Lissabon über Madrid und Paris endet im dichten Geflecht europäischer Bahnrealitäten.
Zwischen Nachtzugromantik und Streckenchaos erlebe ich, warum klimafreundliches Reisen oft am System scheitert – und der Nachtzug nach (oder aus) Lissabon nur in der Literatur abfährt.