Komplex adaptive Systeme

Mittelmaß? Nein danke!

Entweder bist Du Spitzenklasse in dem, was Du tust. Oder Du wirst schnell zur Commodity, weil die Originalität Deines Beitrags zum Gelingen dieser Welt nicht ins Gewicht fällt oder epigonenhaft (nachahmend) bleibt. Das Paradox der Wertepolarisierung: in unserer verbundenen Welt wird die die Kluft zwischen den Habenden und den Nicht-Habenden größer, beim Vermögen und beim geistigen Eigentum. Diese Botschaft erschreckt doch erstmal, oder? Worin bin ich denn Spitze? Champions-League? Wer sind eigentlich meine Epigonen und wo kann ich sie finden? Im schlimmsten Fall gibt es keine, bin ich dann Commodity? Mittelmäßigkeit ist jedoch kein Schicksal. Allerdings braucht es ein neues Verständnis, neue Tugenden und Fähigkeiten. Was tun kann ein jeder schon. Weiterlesen wäre ein Anfang …..

Organisation und Chaos

Organisation ist, wo alles seine Ordnung hat, jeder tut was er soll, alles steht an seinem Platz, der Café schmeckt auch immer gleich. Manchmal gut, meistens schlecht. Immer die gleichen Gesichter, wiederkehrende Rituale, die Argumente sind auch immer dieselben. Alles bekannt, das Meiste jedenfalls. Organisation ist die Antithese von Chaos! Oder?
Ich spüre die aufkommenden Zweifel. Ist das wirklich so? Echt? Haben wir tatsächlich alles im Griff? Tut die Organisation, was wir organisieren?

Ist BANI das neue VUCA oder was?

Viele Autoren meinen, BANI beschreibe den Zustand der Welt besser als VUCA, es sei an der Zeit neu nachzudenken, neu zu verstehen. Ich will mich auf diese Diskussion gar nicht einlassen, sie ist letztlich Haarspalterei. Ob nun nicht Sprödheit und Anfälligkeit für Bruchstellen Folge großer Schwankungen ist, Unsicherheit immer Ängste auslöst, Non-Linearität nicht eines der Merkmale komplexer Systeme ist und Mehrdeutigkeiten nun mal für unser nach Erklärungen lechzendes Gehirn schwere Kost sind, das alles lassen wir mal dahingestellt. Das macht es weder besser noch schlechter. Mich beschleicht bei aller Sinnhaftigkeit des „immer mal wieder Nachdenkens“ bloß der Verdacht, dass da mal wieder eine neues Sau durchs Dorf getrieben wird mit wenig substanziell Neuem.

Die unsichtbare Macht informeller Netzwerke

Was machst Du, wenn Du eine Information brauchst, einen Hinweis, einen guten Tip oder einen freundschaftlichen Rat? Ich durchforste in Gedanken mein informelles Netzwerk nach passenden Menschen meines Vertrauens. Informelle Netzwerke haben den geringsten Energieverbrauch, um Meinung, Information, Hinweise, und Tips zu erhalten, die eben nicht jeder erhält. Oder die auf dem freien Markt (hier: auf anderen als informellen Wegen) überhaupt nicht, in geringerer Qualität oder nur mit großem Energieaufwand zu beschaffen wären. Informelle Netzwerke bestehen hauptsächlich aus guten Beziehungen, sie basieren auf Ansehen, Vertrauen, gemeinsamen Erlebnissen und Erfahrungen. Es dauert lange sie gedeihen zu lassen, sie können sich in Sekunden auflösen, eine Störung kann zu viel sein.

Galoppierender Zorn

Ich bin zornig auf uns alle! Vor allem auf unheilige Allianzen von Dummheit, Unfähigkeit und Unwissen. Dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen Dingen, die wir demütig wirklich (noch) nicht wissen und Irrtümern, zwischen Gefühlen und Argumenten, zwischen Angst und der fahrlässigen Verbreitung von Falschinformationen, aus dem Zusammenhang gerissener Zitate, der Stimmungsmache durch aufbauschend verbreitete Informationsschnipsel. Ein jedes mag seinen Platz haben, aber auch seine Grenzen.

Wir haben es vergeigt!

Ganz ehrlich, ich bin fassungslos. Nein, nicht wegen des Scheiterns. So schlimm das ist, insbesondere für unmittelbar Betroffene. Scheitern gehört in komplexen Umfeldern zur Normalität. Damit müssen wir rechnen, es lässt sich nicht vermeiden. Ich habe in diesem Blog viel darüber geschrieben. Was mich wirklich aufregt ist, wie wir gescheitert sind. Wir sind nicht nur gescheitert, wir haben es richtig vergeigt. Wir kriegen im Moment täglich vor Augen geführt, wie wenig wir wirklich über die Pandemie-Situation wissen. Bekanntes wird von Unwissenden zu Tode debattiert, die wirklich wichtigen Fragen gehen unter, sie werden aus Angst vor medialen oder tätlichen Angriffen verschwiegen oder auf dem Altar des Populismus geopfert. Ich muss hier mal Dampf ablassen.

Rumeiern

Wer rumeiert, kriegt dafür keine Komplimente. Doch was ist eigentlich rumeiern? Wovon müssen wir es unterscheiden? Braucht es die klare Linie? Wenn man nicht so genau weiß, eiert man dann schon rum? Unsere tägliche Pandemie ist ein nützlicher Anstoß darüber nachzudenken. Aber die Gedanken weisen reichen weit über den Anlass hinaus. Die gute alte Welt aus Regeln, Prozessen und Verfahrensanweisungen reicht jedenfalls nicht mehr aus. Jeder, der im Angesicht der Ungewissheit eine klare Strategie einfordert betreibt Augenwischerei und trägt dazu bei, Entscheidungsträger in zu erwartende Versprechen und Entscheidungen zu treiben, die sich hinterher als falsch herausstellen. So beginnen wir einen Kreislauf, der sozialen Konsens erodieren lässt. Wir müssen lernen zu unterscheiden …….

Kommt ganz drauf an!

Wieso dürfen Große Dinge tun, die Kleinen verboten sind? Warum eigentlich durfte der kleine Martin an manchen Tagen eine ganze Tafel Schokolade essen, die an anderen Tagen auf ein paar Stücke rationiert war? Warum war es ok, auf dem Bolzplatz derbe Sprache rauszuhauen, die zu Hause oder in der Schule besser nicht Eltern oder Lehrern zu Ohren kommt? Im Zeltlager durften die Fingernägel beim Essen rustikaler aussehen als am Sonntagsmittagstisch zu Hause und als 16jähriger durfte ich ohne Standpauke später nach Hause kommen denn als 11jähriger. Ganz zu schweigen von den belauschten Witzen, die in Erwachsenenrunden kursierten. Unsereins hätte für die Verbreitung solcher Geschichten seinerzeit einen Satz heiße Ohren bekommen. Wenn die das dürfen? Wieso nicht ich? Kommt eben ganz drauf an! Dieser Satz überstimmt sogar die hoch hängende Moral von der Gerechtigkeit. Muss also was Bedeutsames sein!

Die Hölle, das sind die Anderen!

Mich erfüllt der Zustand einer fortschreitend gespaltenen Welt mit wachsendem Gruseln. Im kalten Krieg standen sich nur zwei waffenstarrende Weltmächte zähnefletschend gegenüber. Die spaltenden Gräben rücken heutzutage immer näher. Alles wird polarisiert: der Präsidentenwahlkampf, der Brexit, das Tempolimit, die Seenotrettung Flüchtender, Frauenquote, die Maskenpflicht, Europa, Windräder oder die sexuelle Orientierung. Polarisiert meint wirklich polarisiert, nicht „wir haben da mal eine unterschiedliche Meinung“. Die könnte ja sinnvoll sein, erkenntnisfördernd. Vorausgesetzt man hört zu, recherchiert, denkt mal nach, ist kritisch, selbstkritisch, ist offen für Neues, traut sich mal was. Ich beobachte mehr sich gegenseitig bestärkende Lagerbildung. Alle wissen alles besser, sie sind sich nur über die Details noch nicht einig. Die Lager entfremden sich, werden unversöhnlicher, kleinteiliger, grundsätzlicher.

Nie wussten wir so viel über unser Nicht-Wissen

Krise ist der Verlust von Selbstverständlichkeiten. Eine nett gemeinte Aufforderung, mich an einem Wissensnetzwerk für Unternehmer aktiv zu beteiligen hat mich nachdenken lassen. Natürlich beteilige ich mich, aber mal wieder nicht mit einem Rezept sondern mit einem Denkwerkzeug. Wo man nichts weiß, gibt es keine Rezepte. Da sind nur Werkzeuge zum Denken und Handeln angesagt.